RIZAL HISTORIC TRAIL
Ein historischer Wanderweg, der den täglichen Weg nachzeichnet, den Dr. José Rizal im Jahr 1886 zwischen Wilhelmsfeld und Heidelberg zu Fuß zurücklegte.
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Der Rizal Historic Trail
2025 feierte Deutschland und die Philippinen 70 Jahre diplomatische Verbindungen der beiden Länder. Ebenso waren die Philippinen der Guest of Honor auf der Frankfurter Buchmesse. Stets war der Nationalheld der Philippinen, Dr. José Rizal in den Schriften und dem Wirken erwähnt, da er ein wichtiges Bindeglied zwischen den beiden Ländern war und immer noch ist.Dr. José Rizal studierte in 1886 für mehrere Monate in Heidelberg und wohnte zeitweise in Wilhelmsfeld bei dem dortigen Pastor Ullmer und ging zu Fuß zwischen den beiden Lokationen.
Zur Erinnerung daran realisierte das Chapter Wilhelmsfeld-Heidelberg der Knights of Rizal in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wilhelmsfeld den Rizal Historic Trail als ein einzigartiges Projekt, das die Geschichte und kulturelle Verbindung zu den Philippinen in unserer Region lebendig werden lässt.Dieser Wanderweg ermöglicht es Besucherinnen und Besuchern, den täglichen Arbeitsweg nachzuvollziehen den Dr. José Rizal von Wilhelmsfeld nach Heidelberg zurücklegte, und dabei ein Stück regionaler Geschichte hautnah zu erleben. Zugleich verbindet der Wanderweg die Gedenkstätten an Dr. Rizal in Heidelberg und Wilhelmsfeld und schafft damit einen historischen Zusammenhang.
Der Wanderweg verläuft entlang der originalen Pfade und Stationen, die den täglichen Arbeitsweg von Dr. José Rizal zur Universitäts-Augenklinik Heidelberg im Jahr 1886 nachvollziehbar machen und den täglichen Weg zur Arbeit in jener Zeit anschaulich vermittelt.
Ziel ist es, Geschichte erlebbar zu machen und das Bewusstsein für die regionale Geschichte zu fördern.
Ein Gemeinschaftswerk für unsere Region
Dieses Projekt ist das Resultat vieler fleißiger Hände. Es entstand aus tiefer Verbundenheit zu unserer Region und um das ehrenvolle Andenken an Dr. José Rizal lebendig zu halten. Erst durch die großzügige Unterstützung aller Beteiligten sowie zahlreiche ehrenamtliche Stunden konnte dieses Vorhaben Wirklichkeit werden.
Hauptverantwortlich für Idee, Planung und Ausführung:
Sir Herbert Ehses, KCR – Chapter Commander des Chapters Wilhelmsfeld-Heidelberg der Knights of Rizal.
Unser herzlicher Dank gilt allen Förderern, Helfern und ehrenamtlich Aktiven:
Dr. Fritz Hack-Ullmer, das Generalkonsulat der Philippinen, Sir Dominik Schäfer-KR, Sir Michael Wolf-KCR, Sir Klaus Höhr-KR, Klaus Rehberger, die Gemeindeverwaltung und der Bauhof der Gemeinde Wilhelmsfeld sowie Jeanette Reckmann.
Wir bitten freundlich um Beachtung der Urheber- und Nutzungsrechte an den Inhalten dieses Projekts.

Startpunkte des Rizal-Historic-Trail
Startpunkt 1
WILHELMSFELD / WANDERPARKPLATZ HINTERBERGWEG
Sie können in Wilhelmsfeld parken, sofern Sie nicht mit dem ÖPVN angereist sind und entweder am Rizal-Park oder am Pfarrhaus Wilhelmsfeld den Weg beginnen und zu dem Wanderparkplatz laufen. Sie können aber auch direkt mit ihrem Fahrzeug zum Wanderparkplatz fahren und dort parken.
Hier finden Sie auch eine Informationstafel mit den wichtigsten Informationen zum Rizal-Historic-Trail.
Startpunkt 2
WANDERPARKPLATZ LANGER KIRSCHBAUM
Der Parkplatz kann sowohl mit dem Fahrzeug direkt angefahren werden oder mit dem ÖPNV Buslinie 34, sowohl von Wilhelmsfeld als auch von Heidelberg erreicht werden (Haltstelle Langer Kirschbaum).
An der Schutzhütte auf dem Parkplatz finden Sie die Informationstafel zum Rizal-Historic-Trail.

Startpunkt 3
PHILOSOPHENWEG in Heidelberg, gegenüber dem ehem. Standort Jubiläumseiche
Diesen Startpunkt können Sie nur zu Fuß erreichen. Hierzu gehen Sie über die Karlsbrücke (Alte Brücke) über den Neckar. Hier können Sie sich für einen der zwei Wege entscheiden, die Dr. Rizal alternativ benutzt hat.
ALTERNATIVE A – über Schlangenweg – Philosphenweg
Direkt am Ende der Brücke befindet sich links ein Fußgängerüberweg, den Sie überqueren. Gleichs rechts finden Sie einen Hinweis zum Schlangenweg.
Folgen Sie diesem Hinweis und gehen Sie über den steilen Anstieg (teils mit Treppen) bis zum Ende des Weges. Hier treffen Sie auf den Philosphenweg, auf den Sie rechts einbiegen. Nach ca. 200 m finden Sie auf der linken Seite die Informationstafel zum Rizal-Historic-Trail.
ALTERNATIVE B – über Hirschgasse – Philosophenweg
Biegen Sie nach der Brücke rechts auf die Uferstraße (Ziegelhauser Landstraße) ein und laufen Sie entlang des Neckars bis zur nächsten Ampel. Dort überqueren Sie die Straße und biegen in die Hirschgasse ein. Gehen Sie die steile Straße hoch, vorbei an der Mensurhalle, wo Dr. Rizal den Studenten bei ihren Aktivitäten zugeschaut hat (siehe dazu seinen Brief vom 26.02.1886 an seine Eltern).
Ca. 150 m nach der Mensurhalle folgen Sie der Abzweigung der Straße, die Sie auf den Weg führt, der am Philosphenweg endet. Dort finden Sie nach wenigen Metern die Informationstafel zum Rizal-Historic-Trail.
Vom jeweiligen Startpunkt aus folgen Sie dem markierten Rizal-Historic-Trail.
Die gesamte Wegstrecke ab Wilhelmsfeld zur Karlsbrücke (Alte Brücke) in Heidelberg beträgt ca. 10,5 km. Zur Arbeitsstelle in der Universitäts-Augenklinik sind noch weitere 1,5 km zurückzulegen.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Der Rizal Historic Trail kann von beiden Enden aus begangen werden.
STARTPUNKT WILHELMSFELD
Ab Heidelberg Hauptbahnhof mit der Buslinie 34 Richtung Wilhelmsfeld, Autohalle bis zur Haltestelle Wilhelmsfeld, Schriesheimer Hof. Von dort erreichen Sie den Wanderparkplatz Hinterberg und den westlichen Einstieg des Trails in wenigen Gehminuten.
STARTPUNKT HEIDELBERG (Schlangenweg oder Hirschgasse)
Ab Heidelberg Hauptbahnhof mit den Straßenbahn- und Busverbindungen zum Bismarckplatz. Von dort mit der Buslinie 34 Richtung Wilhelmsfeld, Autohalle oder der Buslinie 37 Richtung Ziegelhausen, Heidebuckelweg bis zur Haltestelle Neuenheim, Alte Brücke Nord (Startpunkt Schlangenweg) oder Hirschgasse (Startpunkt Hirschgasse). Die jeweiligen Einstiege befinden sich dann nur wenige Schritte entfernt.
Alternativ ist es auch möglich, vom Bismarckplatz oder der Bahnhaltestelle Heidelberg-Altstadt zur Hirschgasse (ca. 10 Minuten) oder zum Startpunkt Schlangenweg (< 20 Minuten) zu laufen. Der Aufstieg zum Schlangenweg ist ebenfalls in ca. 25 Minuten zu Fuß vom Bismarckplatz aus zu erreichen.
Da es sich um einen Streckenwanderweg handelt, empfiehlt sich die Anreise zu einem Endpunkt und die Rückfahrt vom jeweils anderen Ende des Trails.
Aktuelle Fahrzeiten und Verbindungen:
Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) – www.vrn.de
Wegmarkierungen
Der Rizal Historic Trail ist in beiden Richtungen durch Wegmarkierungen gekennzeichnet. Sie finden die Marker an Bäumen entlang des Weges oder in wenigen Fällen auf kleinen Hinweisschildern.
Bitte achten Sie auf folgende Markierungen, die teilweise mit Richtungspfeilen ergänzt sein können.

Der Wanderpfad führt durch ein Naturschutzgebiet. Bitte achten Sie entsprechend auf Ihre Umgebung. Hinweise finden Sie in unserer Broschüre (PDF Download), auf Seite 12.
Eine Kurzbiographie von Dr. José Rizal
MIT FOKUS AUF SEINEN AUFENTHALT IN WILHELMSFELD UND HEIDELBERG
José Protasio Rizal Mercado y Alonso Realonda wurde am 19. Juni 1861 in Calamba auf den Philippinen geboren und gilt als Nationalheld seines Landes. Er war Arzt, Schriftsteller, Patriot, Künstler und ein bedeutender Freiheitskämpfer im Kampf gegen die spanische Kolonialherrschaft.
Rizal wuchs als siebtes von elf Kindern auf und zeigte schon früh außergewöhnliche intellektuelle Fähigkeiten, eine Leidenschaft für das Lernen und eine tiefe Liebe zu seinem Heimatland. Bereits in jungen Jahren begann er sich für Literatur, Geschichte und Wissenschaft zu interessieren. Er sprach mehrere Sprachen fließend, darunter Spanisch, Tagalog, Englisch, Französisch, Deutsch und Latein.
Rizal begann seine formale Ausbildung auf den Philippinen, wo er unter anderem Philosophie und Literatur studierte. Später setzte er sein Studium in Europa fort, um Medizin zu studieren, mit besonderem Schwerpunkt auf Augenheilkunde.
Am 3. Februar 1886 kam José Rizal nach Heidelberg, um seine medizinische Ausbildung zu vertiefen. Er praktizierte Augenheilkunde in der Universitätsaugenklinik Heidelberg bei dem renommierten Augenarzt Prof. Otto Becker.
Von April bis Juni 1886 wohnte er im nahegelegenen Wilhelmsfeld, einem kleinen Ort bei Heidelberg, als Gast bei der Pfarrfamilie von Karl Ullmer im Pfarrhaus der Gemeinde. Hier feierte er am 19.Juni 1886 seinen 25. Geburtstag im Kreise der Familie Ullmer. In seiner Zeit in Wilhelmsfeld setzte er seine Studien und schriftstellerischen Aktivitäten fort und vollendete seinen ersten Roman Noli me Tangere.
Er verließ Heidelberg am 9. August 1886 und reiste über verschiedene Stationen nach Berlin, wo er am 01.11.1886 eintraf und Mitte März 1887 Noli me Tangere in spanischer Sprache veröffentlichte.

Rizals Zeit in Deutschland war prägend für seine intellektuelle Entwicklung und seinen Einsatz für die philippinische Unabhängigkeit. Seine Romane Noli me Tangere und El Filibusterismo und seine weiteren literarischen Aktivitäten trugen dazu bei, seine Vision eines freien und gebildeten philippinischen Volkes zu formen.
Er war auch politisch aktiv, engagierte sich für Reformen und setzte sich für die Rechte seines Volkes ein. Seine Schriften und sein Engagement brachten ihm jedoch Feinde ein, insbesondere bei den spanischen Mönchsorden und Kolonialherren.
José Rizal kehrte 1892 auf die Philippinen zurück, wo er weiterhin für Reformen kämpfte. Er gründete die Bewegung La Liga Filipina, die soziale und politische Reformen anstrebte. Doch seine Aktivitäten führten zu seiner Verhaftung und schließlich zu seiner Hinrichtung am 30. Dezember 1896 durch die spanischen Kolonialbehörden.
Dr. José Rizal war ein außergewöhnlicher Mensch, dessen Leben von Bildung, Patriotismus und dem Streben nach Gerechtigkeit geprägt war. Sein Aufenthalt in Wilhelmsfeld und Heidelberg war eine prägende Phase, in der er seine medizinischen Kenntnisse vertiefte und seine patriotischen Ideen weiterentwickelte. Diese Zeit trug wesentlich dazu bei, ihn zu dem Nationalhelden zu formen, der er heute ist. Sein Vermächtnis lebt auf den Philippinen und weltweit weiter als Symbol für den Kampf gegen Unterdrückung und für die Freiheit seines Volkes.

Evangelisches Pfarrhaus Wilhelmsfeld, ca. 1920
Ein „normaler Arbeitstag” im Leben von Dr. José Rizal
Dieser Bericht über den Aufenthalt von Dr. Jose Rizal in Wilhelmsfeld basiert auf den überlieferten Informationen der Familie Ullmer und wurde von Dr. Fritz Hack-Ullmer, Urenkel von Pfarrer Karl Ullmer, übermittelt.
Dr. José Rizal verlegte im April 1886 seinen Wohnsitz von Heidelberg nach Wilhelmsfeld, weil die Unterhaltszahlungen seines Bruders Paciano nicht rechtzeitig eingetroffen waren und der Aufenthalt in Wilhelmsfeld kostengünstiger war. Rizal lebte gut drei Monate lang als Familienmitglied bei den Ullmers im Pfarrhaus in Wilhelmsfeld.
Wie sah Rizals Tagesablauf damals aus?
Wilhelmsfeld, ein Bauerndorf im Odenwald, hatte weder fließendes Wasser noch Strom. Der Weg nach Heidelberg führte ausschließlich zu Fuß, weil es weder eine Bahnverbindung noch Busse gab. Diese wurden erst später eingeführt.
Der Pfarrer stand um 5.00 Uhr auf und bat seinen Gast, zum Deutschunterricht in sein Arbeitszimmer zu kommen. Neben dem Kennenlernen des deutschen Lebens und der deutschen Bräuche wollte er seine Deutschkenntnisse verbessern. Als Lehrbuch wurde Schillers Wilhelm Tell gewählt. Schiller war in jenen Jahren der europäische Dichter, der die Probleme der Diktatur der Unterdrückung und der Menschenverachtung am deutlichsten in Worte gefasst hatte.
Als die Sonne gegen 5.45 Uhr aufging, begleitete José die 17-jährige Tochter Margaretha, genannt Eta, in den Garten, um die Pflanzen zu gießen. Die Hühner und Gänse mussten gefüttert werden, ebenso wie das Schwein. Die Tochter Eta sagte: „Dass der junge Gast mir bei meinen morgendlichen Pflichten helfen soll. Das ist fair.“ Eta war damals 17 Jahre alt. In diesem Sinne waren die Ullmers Selbstversorger. Das Einkommen eines Dorfpfarrers war gering. Am Familientisch saßen der Pfarrer (44 J.), seine Frau Marie (43 J.), sein Sohn Fritz (15 J., Großvater von Dr. Fritz Hack-Ullmer) und die Tochter Eta (Großtante von Dr. Fritz Hack-Ullmer).
Dr. José Rizal kam als Fremder und Gast, wurde aber bald ein Freund.
Zum Frühstück gab es Milch, lokalen Tee (Pfefferminze oder Kamille), sonntags grünen Tee, selbstgebackenes Brot und hausgemachte Marmelade. Marie packte das gleiche Frühstück zum Mittagessen ein und gab es José, als er sich um 6.45 Uhr zu Fuß auf die direkten Waldwege zur Augenklinik der Universität Heidelberg begab. Er muss sehr schnell gelaufen sein, denn die Strecke ging ca. 9,5 km bergab. Handwerker aus Wilhelmsfeld, die diesen Weg auch regelmäßig nutzten, benötigten für die Strecke bergab in Richtung Heidelberg 1,5 Std. und für den Rückweg bergauf ca. 2 Std.
Von 8:00 bis 16.30 Uhr gab es Klinikarbeit in der Ambulanz oder im Operationssaal bei dem berühmten Professor Otto Becker. Wahrscheinlich arbeiteten dort noch acht weitere Ärzte. Das Krankenhaus wurde 1878 als spezielle Augenklinik erbaut, nur für Augenpatienten und deren Bedürfnisse.

Pastor Karl Ullmer

Professor Otto Becker
Gegen 17 Uhr machte er sich auf den steilen Anstieg zurück nach Wilhelmsfeld zum Pfarrhof. Die tägliche warme Mahlzeit wurde bei Ankunft serviert. Erst die Suppe, dann der Hauptgang: Fleisch (Huhn, Schwein, Ziege, gelegentlich Wild) gab es nur einmal pro Woche, sonst Gemüse, Rüben, Salate und Kartoffeln.
Ab 21 Uhr gab es einen Familienabend ohne Radio und Fernsehen, mit Vorlesen aus Büchern oder Weltnachrichten aus der Frankfurter Zeitung und deren Kritik. Nicht zu vergessen: offene Diskussionen und Josés Beschreibungen der Philippinen und seine neuesten Zitate aus Noli me Tangere, die er am Abend zuvor geschrieben hat. Auch die Zeitschrift „Gartenlaube“ wurde gelesen, oft mit den Zeichnungen und Erzählungen von Wilhelm Busch. Ullmer hatte den Illustrator und Humoristen in München kennengelernt und Busch besuchte ihn Mitte der 1880er Jahre einmal in Wilhelmsfeld. Im Wohnzimmer des Pfarrhofs hing ein Ölgemälde einer Berglandschaft von Busch. Karl Ullmer spielte Geige. Es wurden viele deutsche Volkslieder gesungen, und José sang Lieder auf Tagalog mit seiner schönen Baritonstimme, was allen Zuhörern große Freude bereitete.

Eine Ausgabe von der „Gartenlaube“
Um 22:00 Uhr ging Familie Ullmer zu Bett.
Bei Einbruch der Dunkelheit wurden Wachskerzen oder eine Öllampe angezündet. Rizal brauchte nur 5 Stunden Schlaf. Er arbeitete regelmäßig bis Mitternacht 2 Stunden bei Kerzenschein im Gästezimmer. Er hat an seinem großen ersten Roman Noli me tangere wesentliche Änderungen vorgenommen, wie man an den vielen Korrekturen erkennen kann, und auch einen Abschnitt hinzugefügt, der den Odenwald um Wilhelmsfeld unmissverständlich beschreibt (siehe Kapitel 7 der deutschen Ausgabe von Noli me Tangere).
Zitate aus Briefen
Rizal, Heidelberg, 24. April 1886 an Pastor Ullmer
Dem ehrwürdigen Herrn Pfarrer Ullmer in Wilhelmsfeld.
Ehrwürdiger Herr Pfarrer:
Ich habe versprochen, Ihnen zu schreiben, im Fall daß ich mich entschließe, während einiger Wochen auf dem Land zu wohnen, da Sie die Freundlichkeit gehabt haben, mir eine Pension verschaffen zu wollen. Sonntags Abend, wenn gutes Wetter ist, werde ich in Wilhelmsfeld sein. Man hat mir gesagt, daß die Einwohner in Wilhelmsfeld nicht richtiges Deutsch sprechen, sondern eine Mundart; wenn ich nicht fürchtete, Ihre Liebenswürdigkeit zu mißbrauchen, so würde ich Sie bitten, wenn es nur möglich ist, bei Ihnen anstatt bei einem anderen, mich wohnen zu lassen; denn ich werde nicht nur mit einer
[Rückseite:] ehrwürdigen Familie leben, deren Freundschaft mir so lieb ist, sondern auch gutes Detusch sprechen, was ich für Hauptsache halte.
Aber, wenn dies Ihnen unmöglich oder unbequem ist, nehme ich das Zimmer das Sie für gut halten, was es auch sein mag.
Ich grüße Ihre ganze liebenswürdige Familie. Genehmigen Sie im voraus meinen Dank und die Versicherung meiner tiefen Hochachtung.
J. Rizal
Rizal, Heidelberg, 26. Juni 1886
Dem Herrn Pfarrer Ullmer
(Wohlgeboren)
… Gestern in die Hälfte des Wegs sah ich plötzlich hinter mich den Bärle1 laufen.
Trotz der Steinen, die ich gegen ihn geworfen habe, und trotz aller meiner Bemühungen, gelang ich nicht ihn zurück zu schicken. Lange Zeit hat er mir vom Weit gefolgt; endlich entschloss ich mich ihn mitzubringen, heute wird ja Friedrich daheimgehen. Ich habe ihm ein feines Abendessen gegeben (Milch und Brot) und die Leute hier haben gut mit ihm gemeint …
… Mogen Sie auch, wen Sie in der Fremde sind, dieselbe Behandlung und Freundschaft bekommen, wie ich bei Ihnen gefunden habe: und wenn ich, Fremdling, in der Fremde Nichts bin, tauge ich Etwas in meiner Heimath, wo werden Sie immer einen guten Freund finden, wenn nur ich nicht sterbe, selbstverständlich. Die Freude von andern Leuten verstanden zu werden ist zu gross dass man es leicht vergessen könne. Sie haben auch mich verstanden trotz meiner braunen Haut die für manche Leute gilt, als ob sie räthselhaft oder sinnlos sei: glücklicherweise wird sie für Manche allmählich heller z. B. für die Wirthin in Heilig +Steinach2; aber leider dass alle Leute nicht Wirthinnen seien.
Ich grüsse vom ganzen Herz Frau Pfarrerin und Eta und wünsche Ihnen die glücklichste Zukunft.
Ihr guter Freund
Rizal
Rizal an Friedrich Ullmer, München, 29. Mai 1887
… Bitte grüße die gute Frau Pastor, deine liebe Mama, dass ich ihr schreiben werde, wenn ich nach Hause komme. Ich werde nie vergessen, wie freundlich sie und dein Vater zu mir waren, als ich ein unbekannter Fremder ohne Freunde und Empfehlungen bei euch war … Ich werde Wilhelmsfeld mit seinem gastfreundlichen Pfarrhaus nie vergessen …
Rizal, Heidelberg, 26.(?) Februar 1886, Brief an Eltern und Brüder

Mensur auf der Hirschgasse, um 1865
… Dreimal bin ich zu ihren Duellen in der Hirschgasse gegangen und habe 20 bis 25 davon miterlebt; jedes Mal kämpfen 7, 8 oder 9 und mehrere Male waren die Kämpfe blutig ausgegangen. Einmal habe ich erlebt das ein Duellant während des Duells sechsmal getroffen wurde. Manchmal werden sie nicht verletzt. Sie kämpfen nur untereinander, Verbindung gegen Verbindung, oft ohne jeglichen Grund, denn diejenigen, die die Gegner wählen, sind die Sekundanten.
Die Duelle dienen nur dazu, Tapferkeit zu prüfen und persönliche Ehre und Mut zu beweisen. Es gibt fünf Studentenverbindungen hier und das sind Vandalia, Guestfalia, Saxoborussia, Rhenania und Suebia …
Zitate aus Noli me Tangere

Originalband Noli me Tangere
In Kapitel 7 des Romans antwortet das Alter Ego von Rizal Ibarra auf die Frage von Maria Clara, ob er auf seinen Reisen auch immer an sie gedacht habe u. a.:
„Dich vergessen? Oft glaubte ich, dein Klavierspiel und den Klang deiner Stimme zu hören, und wenn ich in Deutschland in der Abenddämmerung durch die Wälder streifte, die bevölkert sind von den wunderbaren Gestalten der Dichter und dunklen Sagen der Alten, dann war mir, als sähe ich dich in den Nebelschleiern, die vom Tal aufstiegen, als hörte ich deine Stimme im Rauschen der Blätter, und wenn dann von fern die Lieder des Landvolks erklangen, das von seinem Tagwerk heimkehrte, so war es, als vereinte sich ihr Gesang mit den Stimmen in meinem Innern, als sängen sie für dich und gäben meinem schwebenden Traumbild Wirklichkeit.“
„Zuweilen verirrte ich mich auf den Bergpfaden, und die Nacht, die dort sacht herabsteigt, fand mich noch immer im Wald, wie ich zwischen Tannen, Buchen und Eichen meinen Weg suchte, und wenn dann ein Mondstrahl durch eine Lücke im dichten Gezweig fiel, dann erschienst du mir in der Tiefe des Waldes wie ein ungreifbarer, verliebter Schatten, der zwischen dem Licht und dem Dunkel des Dickichts sein Wesen treibt; wenn dann die Nachtigall sang, glaubte ich, sie hätte dich erspäht und du hättest ihr die Töne entlockt.“
Sponsoren
Hiermit möchten wir unseren Sponsoren und Spendern unseren Dank und Anerkennung aussprechen sowie Ihr Engagement zum Wohle der Gesellschaft und Völkerverständigung würdigen.
Sie haben durch ihre finanzielle Unterstützung mitgeholfen, einen zusammenhängenden historischen Raum zu schaffen, der die Gedenkorte an den philippinischen Nationalhelden Dr. José Rizal in der Region Wilhelmsfeld und Heidelberg miteinander verbindet.
Official Partner


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Prof. Dr. med. Manfred Fischer
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Sir Herbert Ehses, KCR & Lady Windy • Dr. Fritz Hack-Ullmer • Familie Damm-Ludwig • Sir Werner Filsinger, KGOR & Lady Rosalie • Sir Lucien Spittael, KGOR • Lady Ute Holtzmann
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